Für ein Konzert nach Seoul oder Busan fliegen und die Reise direkt mit ein paar Tagen in Südkorea verbinden: Dass internationale K-Pop-Fans dafür teilweise weite Strecken zurücklegen, ist längst nichts Neues mehr. In diesem Jahr kamen besonders viele Menschen aus dem Ausland nach Südkorea. Große K-Pop-Veranstaltungen wie die Konzerte von BTS werden dabei auch als ein Grund für die hohen Besucherzahlen genannt. Nach vier Monaten, in denen Südkorea durch ausländische Reisende mehr einnahm, als Koreaner bei Reisen ins Ausland ausgaben, hat sich das im Juli allerdings wieder geändert.
Die sogenannte Tourismusbilanz lag im Juli mit 50,3 Millionen US-Dollar im Minus. Ausländische Besucher gaben in Südkorea rund 2,62 Milliarden US-Dollar aus, während Reisende aus Südkorea im Ausland auf 2,67 Milliarden US-Dollar kamen.
Der Unterschied ist damit vergleichsweise klein. Auffällig ist er trotzdem, denn von März bis Juni hatte Südkorea vier Monate hintereinander mehr durch ausländische Besucher eingenommen als koreanische Reisende im Ausland ausgaben. Im Juni lag das Plus sogar bei 596,6 Millionen US-Dollar und damit so hoch wie seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr.
Im Juni kamen fast zwei Millionen Menschen nach Südkorea
Wie stark der Tourismus in diesem Jahr gewachsen ist, zeigt sich besonders an den ersten sechs Monaten. Zwischen Januar und Juni reisten 10,71 Millionen Menschen aus dem Ausland nach Südkorea. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2025 waren das 21,3 Prozent mehr.
Allein im Juni kamen knapp 1,99 Millionen internationale Besucher ins Land. Die größte Gruppe bildeten Reisende aus China mit rund 650.000 Personen, gefolgt von Japan mit etwa 350.000 und Taiwan mit rund 220.000. Auch aus Amerika, Europa und mehreren südostasiatischen Ländern kamen mehr Besucher als ein Jahr zuvor.
Viele von ihnen gaben während ihrer Reise auch mehr Geld aus. In den ersten sechs Monaten wurden mit ausländischen Kreditkarten rund 10,04 Billionen Won (ca. 6,51 Milliarden Euro) bezahlt. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es rund 6,66 Billionen Won (ca. 4,3 Milliarden Euro). Damit stiegen die Kreditkartenausgaben um 50,8 Prozent.
Auch die gesamte Tourismusbilanz fiel in diesem Monat entsprechend deutlich aus. Südkorea nahm im Juni 2,78 Milliarden US-Dollar durch internationale Reisende ein. Koreanische Reisende gaben im Ausland gleichzeitig rund 2,18 Milliarden US-Dollar aus. Pro ausländischem Besucher waren es durchschnittlich 1.397 US-Dollar, während koreanische Reisende im Ausland im Durchschnitt 1.091 US-Dollar ausgaben.
Auch BTS brachte internationale Fans ins Land
Dass K-Pop bei Reisen nach Südkorea eine Rolle spielt, zeigte sich in diesem Jahr besonders bei BTS. Rund um die Konzerte der Gruppe wurden eigene Angebote für internationale Besucher vorbereitet.
Für die beiden BTS-Konzerte am 12. und 13. Juni in Busan arbeitete die Korea Tourism Organization beispielsweise mit der Stadt und der Reisebranche zusammen. Internationale Fans sollten dabei nicht nur die Konzerte besuchen, sondern auch Busan und die umliegenden Regionen kennenlernen. Den gesamten Juni über wurden dafür passende Reiseangebote beworben.
Rund um die Konzerte lief außerdem „BTS the City Arirang – Busan“. In der Stadt gab es zusätzliche Veranstaltungen für Fans, während Busan gleichzeitig Maßnahmen für Verkehr und Sicherheit vorbereitete.
Schon einige Monate zuvor wurde spürbar, welche Menschenmengen BTS auch an andere Orte bringen kann. Am 21. März fand am Gwanghwamun in Seoul ein Comeback-Konzert der Gruppe statt. Die Gegend liegt direkt vor dem Gyeongbokgung-Palast, der im ersten Halbjahr 2026 rund 3,65 Millionen Besucher zählte.
BTS sind dabei nur ein Teil eines deutlich größeren Interesses an Südkorea. Die offiziellen Tourismuszahlen zeigen nicht, wie viele der 10,71 Millionen Besucher ausschließlich wegen K-Pop ins Land kamen. Die Konzerte und die eigens dafür vorbereiteten Tourismusangebote machen aber deutlich, dass die Branche internationale Fans inzwischen gezielt als Reisende anspricht.
Vier Monate mit positiver Tourismusbilanz enden im Juli
Noch Anfang des Jahres sah die Tourismusbilanz anders aus. Bis einschließlich Februar hatte Südkorea 72 Monate hintereinander ein Minus verzeichnet. Seit Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 waren die Ausgaben koreanischer Reisender im Ausland damit jeden Monat höher als die Einnahmen durch ausländische Besucher.
Im März änderte sich das zum ersten Mal. Südkorea kam auf ein Plus von 263,8 Millionen US-Dollar. Im April waren es 159,9 Millionen US-Dollar, im Mai 220,5 Millionen und im Juni schließlich 596,6 Millionen US-Dollar.
Im Juli endete diese Serie mit dem Minus von 50,3 Millionen US-Dollar. Das bedeutet allerdings nicht, dass plötzlich kaum noch internationale Touristen nach Südkorea reisen. Bei der Tourismusbilanz werden zwei Seiten miteinander verglichen: das Geld, das ausländische Besucher in Südkorea ausgeben, und die Ausgaben koreanischer Reisender im Ausland.
Im Juli lagen diese beiden Werte mit 2,62 und 2,67 Milliarden US-Dollar nah beieinander. Schon eine höhere Reisetätigkeit der Koreaner kann deshalb dafür sorgen, dass die Bilanz wieder ins Minus rutscht.
Die Besucherzahlen aus dem ersten Halbjahr zeigen gleichzeitig, wie stark Reisen nach Südkorea 2026 gefragt sind. Mehr als zehn Millionen internationale Besucher innerhalb von sechs Monaten und deutlich höhere Kreditkartenausgaben sprechen dafür, dass nicht nur mehr Menschen ins Land kommen, sondern während ihrer Reise auch viel Geld vor Ort ausgeben.
Für K-Pop-Fans ist besonders interessant, dass Veranstaltungen wie die BTS-Konzerte inzwischen direkt mit Tourismusangeboten verbunden werden. Busan hat im Juni genau darauf gesetzt und die beiden Konzerte genutzt, um internationale Fans auch auf andere Orte in der Stadt und der Umgebung aufmerksam zu machen. Wie groß der Anteil von K-Pop am gesamten Tourismus tatsächlich ist, lässt sich aus den veröffentlichten Zahlen allerdings nicht herauslesen.



